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ABC-Schützen aufgepasst

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David Alaba könnte heute zum jüngsten Europapokal-Spieler des FC Bayern München werden. Es wäre nicht die erste Bestmarke, die der junge Österreicher neu definiert. Der Erste zu sein, das gehört in seiner Familie aber längst zum guten Ton.

Am Anfang steht das A, am Ende auch:  David Alaba (Bild: Imago)

Am Anfang steht das A, am Ende auch: David Alaba (Bild: Imago)

Wahrscheinlich ist David Alaba längst der Traum einer jeden Grundschullehrerin. Man stelle sich nur einmal vor, man sitzt vor 30 kleinen Stöpseln und soll sie das Alphabet lehren. Wo fängt man an? Wo hört man auf? Es liegt in der Natur der Sache, dass am Anfang das A steht, wie es fast auch in der Natur der Sache liegt, dass man als 6-jähriger Junge auf Fußball steht. So könnte David Alaba schon bald die linguistischen Karrieren dieses Landes beflügeln. Denn wer eignet sich besser als erstes Sprachbeispiel, als ein bekannter Fußballer mit drei A’s im Namen? Natürlich: Alaba. Er wäre wohl der erste Fußballer, dessen Name den ABC-Schützen als Lernhilfe dient.

Was soll man mit so einem Namen auch sonst machen, als irgendwie immer der Erste zu sein? Nicht nur das er mit im Oktober 2009, mit 17 Jahren, drei Monaten und 20 Tagen, und damit als jüngster Spieler überhaupt, sein Debüt in Österreichs Nationalmannschaft gab, auch beim FC Bayern purzeln derzeit die Rekorde dank David Alaba. 17 Jahre, acht Monate, zehn Tage war er bei seinem ersten Bundesligaspiel für den FC Bayern am vergangenen Samstag gegen Köln. Und vor der heutigen Champions League Partie gegen den AC Florenz spitzen viele schon den Rechenschieber. Es steht ein neuer Rekord an: 17 Jahre, acht Monate und 13 Tage ist er heute. Er wäre der jüngste Europapokal-Spieler in der Geschichte des FC Bayern. Natürlich.

Das ist Alaba-Style

Seine Eltern sind stolz auf ihren kleinen David, denn er reiht sich damit nahtlos in eine gute alte Familientradition ein: Sein Vater George, geboren in Nigeria, war der erste dunkelhäutige Gardesoldat in der Geschichte des österreichischen Bundesheeres. Mama Gina nahm in den Achtzigern bei der Wahl zur “Miss Philippines” teil – und landete auf Platz eins. Ganz vorne, das ist Alaba-Style.

Sein Werdegang als Nachtgebet

In seiner Heimat Österreich bezeichnen sie den Mittelfeldspieler seit längerem als „Wunderkind“, wahlweise heftet auch der Begriff „Jahrhunderttalent“ an ihm. Beides hat die gleiche Bedeutung: So einen wie ihn, den gibt es nur ganz, ganz selten. Deswegen kann mittlerweile fast jedes normale Kind in der Alpenrepublik seinen Werdegang im Schlaf herunterbeten: Mit 14 Jahren spielt Alaba bereits für Austria Wiens U 17, mit 15 stand er erstmals im Profikader. Im Sommer 2008 wechselt der 16 Jährige zum deutschen Rekordmeister Bayern München. Grenzenlos glücklich war er über diesen Karriere-Quantensprung nicht. „Ich habe die Bayern gehasst”, sagte Alaba gegenüber spox.com.

“Die sind immer mit dem feinsten Trainingszwirn und dem schönsten Bus zu den Nachwuchsturnieren gekommen und haben sich feiern lassen”, erinnert sich Alaba an die arroganten Jung-Bajuwaren. Doch er gewöhnt sich schnell an das Leben an der Isar. In seinem ersten Jahr läuft er direkt bei Bayerns U 19 auf, Mehmet Scholl beförderte ihn wenig später zu den Amateuren. Er hat seinen Lieblingsspieler gefunden. Heute ist Alaba Co-Trainer bei Bayerns U 11 und engagiert sich als Betreuer an einer Behindertenschule. Ein Wunderkind mit sozialer Ader. Nicht nur für Journalisten ein Traum wie aus Tausendundeine Nacht.

Gerland jubelt, Pacult kriegt Hautausschlag

Und Alaba wird weiter von allen Seiten mit Lob überschüttet: “Wenn ich ihn spielen sehe, bekomme ich gute Laune”, sagt der ansonsten eher knurrige Hermann Gerland. “Alaba ist nicht gut, er ist sehr gut”, lobhudelt Louis van Gaal. Alaba selbst findet all die Aufmerksamkeit übertrieben, würde lieber in aller Ruhe weiter an seiner Karriere arbeiten, die doch schon längst auf der Überholspur läuft. Doch es ist ihm durchaus zu zutrauen, dass er all das richtig einordnen kann, auch wenn jeder andere Gleichaltrige in seiner Situation wohl mit dem Kopf durch die Decke gehen würde. Ein österreichischer Journalist ordnete Alabas geistigen Fähigkeiten einst so ein : “Er verwendet in Interviews Worte, die Nationaltrainer Constantini erst nachschlagen muss und die bei Peter Pacult Hautausschläge aufpoppen lassen. Er ist intelligent, selbstkritisch und selbstbewusst.” 

Er spielt, wo er aufgestellt wird – noch

Am liebsten spielt David Alaba im zentralen Mittelfeld, doch gegen Köln fand er sich links in der Abwehrkette wieder. Da ist er auch gegen Florenz eingeplant. Denn trotz aller Jubelarien kann Bayerns Nummer 27 sich nicht aussuchen, wo er spielt. Noch nicht.

Van Gaal vertraut dem Teenager, wie er es auch schon mit Thomas Müller und Holger Badstuber gemacht hat. Das Ergebnis ist bekannt: Müller gilt als WM-Kandidat und auch Badstuber ist noch nicht abgeschrieben. Doch van Gaal trat im Vorfeld des Florenz-Spiels auch endlich auf die Bremse: „Ich denke nicht, dass das erste Spiel schwer ist. Das ist niemals so“, dozierte der Fußballlehrer vor der deutschen und italienischen Presse. „Das zehnte Spiel ist schwierig für ein Jungtalent.“

Zehn Spiele noch, dann weiß Alaba erstmals, wo er wirklich steht. Aber wenn es so weiter geht, dann wird er immer noch obenauf sein. Die Grundschullehrerinnen wird es freuen. Denn am Anfang steht immer das A.


09. März 2010 , 14:10 Uhr

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