Der Jahrhunderwinter überwunden, der Schnee von den Straßen, der Ball wieder auf saftigem Grün. Die Öffentlich-Rechtlichen haben trotzdem nichts Besseres im Sinn, als den gemeinen Zuschauer weiter mit winterlichen Randsportarten zu penetrieren. Ob der 24. Spieltag der Bundesliga mit der Olympischen Medaillenwut konkurrieren konnte, lest ihr hier in der Spieltagszusammenfassung.

Bauchlandung wie in Vancouver: Herthas Neuzugang Levan Kobaishvili macht die Anni Friesinger (Bild: Imago)
Man musste kein Prophet sein um zu erahnen, dass der 24. Spieltag eher Rohkost denn Sonntagsbraten werden würde. Zu groß die Unspannungszone der Liga, zu klein die Mittel der letzten Vier. Diese Entwicklung war auch den Programmplanern der ARD nicht verborgen geblieben, so dass sie arglos entschieden hatten, den ersten Lauf des Ski Alpin-Slaloms der Herren in die reguläre Bundesliga-Sportschau einzubetten. Was die Zuschauer bei dieser Randgruppensportart erwartete, passte sich nahtlos den Ereignissen des restlichen Nachmittages an: Ein heilloses hin- und her Geschwanke auf dem steilen Weg bergab, bis zum sicheren Sturz in die Barrikaden.
Aufholjagd ohne Abstiegskampf
Ein Bild, wie gemalt um den Saisonverlauf von Hertha BSC darzustellen. Um hingegen die Leistung im Heimspiel gegen Hoffenheim in Worte zu fassen, muss man sich einer Olympischen Sportart bedienen, gegen die der Ski-Slalom wie ein Straßenfeger wirkt – dem Curling. Mal davon abgesehen, dass bei den schmerbäuchigen Curlern mehr Siegeswille herrscht, als bei den abgehalfterten Fußballprofis in Berlin, fühlte sich das ganze Spiel der alten Dame an wie Curling auf einer Schotterpiste: Kein Tempo, keine Zielstrebigkeit und wenn der Stein erst einmal aus der Hand ist, gibt es keine Chance mehr, den Spielverlauf zu verändern. Im Olympiastadion war das nach dem Gegentreffer in der 35. Minute der Fall, bei dem besonders Arne Friedrich nicht mehr Widerstand bot als es ein Curlingbesen getan hätte. Darauf folgten 55 furchtbare Minuten, in denen die Hertha eindrucksvoll bewies, warum sich die Mannschaft selbst als Aufholjäger und nicht als Abstiegskämpfer betitelt.
Weniger Offensive, mehr Defensivlöcher
Einen großen Anteil an der besagten Aufholjagd der Berliner hatte in den letzten Wochen der SC Freiburg. Mit Spielkunst wollte sich die Elf von Robin Dutt den Klassenerhalt herbei ästhetisieren, da nur so langfristiger Erfolg zu erreichen sei. Dass es der Mannschaft dabei öfter erging wie einer Eiskunstläuferin bei einem Trainingsspiel der kanadischen Eishockey-Nationalmannschaft, war also Teil des Prozesses. Spätestens aber seit dem 0:3 zu Hause gegen den Tabellenletzten ist auch im Breisgau angekommen, dass der Nichtabstieg vielleicht doch andere Mittel erfordert. Bei der Umsetzung im Spiel gegen Gladbach wurde folglich weniger auf Offensive gesetzt, im gleichen Maße jedoch auch das Verteidigen eingestellt. Wie diese krude Strategie schlussendlich zu einem Punktgewinn führen konnte, wussten nach 90 anstrengenden Minuten nur Taktikfuchs Dutt und die unpräzise Offensivabteilung der Fohlen zu beantworten.
Im Bernabéu gegen Bochum
Für Nürnbergs Chefcoach Hecking sind diese taktischen Finessen nur Firlefanz. Er hat sein Amt beim abstiegserfahrensten Club der Liga angenommen, bei dem man weiß worauf es ankommt: Ausgemusterte Bankdrücker verpflichten, mit 10 Mann in der Viererkette stehen und dann irgendwie ein Tor erzielen. Letzte Woche gegen die Bayern funktionierte dieser gelebte Konservativismus hervorragend, in Bochum jedoch fand man mit Heiko Herrlich seinen Meister. Der ehemalige Stürmer schaffte es seine Mannschaft so einzustellen, als ob sie im Estadio Bernabéu gegen Real Madrid spielen würde und die gegnerischen Angreifer Ronaldo und Higuain heißen würden. In der Realität ging es zuhause gegen den 1. FC Nürnberg. Als Resultat entstand folglich ein Spiel, bei dem man sich in der Sportschau sogar auf die Abmoderation des gewohnt jovialen Reinhold Beckmann freute. Ein Spiel, das im Verhältnis zu Spannung stand wie der DFB zu Diskretion. Eben ein Spiel, das Interesse für den Olympischen Wintersport wecken sollte.
Spektakel in der Grauzone
Wenigstens beim Duell vom Mainz gegen Bremen hoffte man auf Werbung für den Rasensport. Die Hanseaten, unter der Woche mit einem Gala-Auftritt im Europapokal, sind in diesen unsäglichen Zeiten einer der wenigen Garanten für Spektakel in der Grauzone. Mit der hohen Schaafschen Spielkultur hatte dies am 24. Spieltag indes wenig zu tun. Vielmehr legten die Bremer ein fahriges und zugleich trantütiges Gemüt auf das Grün, als ob zur Vorbereitung ein ran-Classics Video vom SSV Ulm 1846 eingelegt worden wäre. Ersatzkeeper Christian Vander nahm sich das frühlingshafte Zwitschern der „Spatzen“ besonders zu Herzen, als er sich bei einem strammen Schuss des Mainzers Bancé einfach ins weich und wiesig duftende Gras fallen ließ. Bremens Trikotsponsor ahnte diese Fehlleistung schon im Voraus und überklebte aus Publicitygründen alles auf dem Torwarttrikot, was in Verbindung mit Bank und Verein gebracht werden konnte. Schlussendlich stellte sich heraus, dass das Trikot sogar dem FSV Mainz gehörte.
Die Klebestreifen hätte auch das Trikot des Neuzugangs Abdennour verdient gehabt, bevor jedoch ein Imageschaden entstehen konnte, kam für ihn der Österreicher Prödl ins Spiel. Und wie es der Geist des 24. Spieltags so wollte, erzielte dieser tumbe Schlacks aus Graz mit einem Sonntagsschuss den Siegtreffer der Bremer. Wie hätte das Spiel auch besser enden können als mit einem Traumtor eines Österreichers, der wohl in jeder alpinen Sportart eine elegantere Figur abgeben würde als auf dem Fußballplatz.
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