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Der Hammer-Transfer!

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Thomas Hitzlsperger wechselte kurz vor dem Transferschluss vom VfB Stuttgart zu Lazio Rom. Für den Nationalspieler ist es ein letzter Versuch doch noch auf den WM-Zug aufzuspringen. Dafür werden sogar innere Konflikte in Kauf genommen.

Thomas Hitzlsperger wechselt vom VfB Stuttgart zu Lazio Rom (Bild: Imago)

Thomas Hitzlsperger wechselt vom VfB Stuttgart zu Lazio Rom (Bild: Imago)

Als die Nachricht die Runde machte, stellte man sich zumindest kurz die Frage, was das denn nun zu bedeuten habe? Thomas Hitzlsperger, 27, Nationalspieler und so genannter Musterprofi wechselt Hals über Kopf aus der Bundesliga in die italienische Serie A. Doch nicht etwa zu einem der Spitzenvereine wie Milan oder Inter, nein, Hitzlperger zieht es zum akut abstiegsbedrohten Lazio Rom, derzeit auf Tabellenplatz 15.

Vor allem fragt man sich, wie Hitzlsperger in Stuttgart im Rekordtempo auf das Abstellgleis geraten konnte? Unter dem Ex-Trainer Markus Babbel war Hitzlsperger lange Zeit  noch Mr. Zuverlässig. Der Bayer stand seit 2005 bei den Schwaben unter Vertrag, schoss den Verein 2007 mit zwei wichtigen Toren zur Meisterschaft und wurde vor der Saison 2008/09 sogar zum Kapitän gewählt. Auch in der Nationalmannschaft erfreute sich Hitzlsperger immer größerer Beliebtheit. War er bei der WM 2006 noch Ergänzungsspieler, wurde er bei der EM 2008 zum festen Bestandteil der Mannschaft. Er schien allen Anforderungen seiner Trainer Löw (Nationalmannschaft) und Babbel (VfB Stuttgart) uneingeschränkt zu entsprechen. Doch mit Beginn der Talfahrt des VfB Stuttgart schien auch Hitzlsperger mit seinem Latein am Ende, der Mittelfeldmann fiel parallel mit seiner Mannschaft in ein scheinbar bodenloses Leistungsloch. Hitzlsperger wurde als einer der Buhmänner der schwäbischen Krise ausgemacht und am 1. Dezember von seinem damaligen Trainer Markus Babbel als Kapitän entmachtet.

Wenig später musste auch Babbel gehen. Doch auch unter Christian Gross spielte Hitzlsperger zuletzt keine Rolle mehr beim VfB. Wie es zu diesem rein sportlichen Rückschritt kommen konnte, bleibt im Dunkeln. Er selbst gibt zu, derzeit nicht in Topform zu sein, wünschte sich aber von seinem Verein mehr Vertrauen. Das bekam er offensichtlich nicht mehr. Hitzlsperger dachte lange nach und zog die Konsequenzen. Jetzt also Lazio Rom.

Bloggen gegen Rechts, spielen bei Lazio Rom

Doch auch hier gerät Hitzlsperger in einen Konflikt. „The Hammer“, wie man ihn in England ob seiner Schusskraft taufte, gilt auch abseits des Platzes als besonnener Mensch. Er schreibt eine Kolumne für die Wochenzeitung „Die Zeit“, engagiert sich mit dem Blog „Störungsmelder“ gegen Rechtsradikalismus. Dass er nun ausgerechnet zu einem Club wechselt, der in sich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder durch faschistische Sprechchöre aus den Fankurven einen unrühmlichen Namen machte, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Hitzlsperger bügelte solche Bedenken jüngst ab und will unvoreingenommen nach Rom reisen. Aber hatte Hitzlsperger wirklich keine andere Wahl, als in die rauhe Abstiegskampfrealität von Rom zu wechseln? In der Bundesliga gibt es nicht wenige Mannschaft, die auf Hitzlspergers Position im defensiven Mittelfeld durchaus Handlungsbedarf hätten. Aber keiner schien sich gemeldet zu haben. Bitter für einen Nationalspieler, der sich sein Tickt nach Südafrika erarbeiten will. Oder sucht er bewusst den unruhigen Weg im Ausland, um zu zeigen, dass er an Profil gewinnen will? Denn bei aller Besonnenheit erinnerte Hitzlsperger in seiner Art doch oft an einen Klassensprecher – irgendwie verantwortlich, aber auch nicht so richtig. Ihm fehlen Ecken und Kanten, die ihn einzigartig und unverzichtbar für die Nationalmannschaft machen. Man darf gespannt sein, wie schnell der ehemalige Stuttgarter in Rom Fuß fassen kann. Schafft er es sich in diesem ungemütlichen Umfeld einen Namen zu machen, wird er auch wieder interessant für den WM-Kader für Südafrika.


02. Februar 2010 , 14:41 Uhr

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