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Der Überschweinsteiger

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Seit zwei Monaten spielt Bastian Schweinsteiger inzwischen im zentralen Mittelfeld des FC Bayern so gut, dass auch Jogi Löw über eine Versetzung nachdenken sollte. Allen Bedenken zum Trotz. Ein Kommentar im Konjunktiv.

Schweini war einmal: Bastian Schweinsteiger wird erwachsen (Bild: Imago)

Schweini war einmal: Bastian Schweinsteiger wird erwachsen (Bild: Imago)

In der ersten Halbzeit der Partie Werder Bremen gegen Bayern München am letzten Wochenende gab es eine kleine Szene, die viel über den Fußballspieler Bastian Schweinsteiger aussagte, obwohl sie scheinbar kaum der Rede wert war. Ein Bayern-Spieler hatte am Flügel, nahe des eigenen Strafraums, den Ball an den Gegner verloren, der Bremer legte sich die Kugel ein Stück zu weit vor, und Schweinsteiger setzte an, um die Situation zu klären. Im letzten Moment registrierte er jedoch, dass er nicht mehr rechtzeitig zur Stelle sein würde, um das Spielgerät wegzuschlagen. Schweinsteiger zog also zurück, blieb stehen, machte damit den Raum eng und den Plan des Gegners zunichte, wurde angeschossen und die Situation war bereinigt.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Auch wenn man den Konjuktiv bemühen muss und »hätte, wenn und aber« im Fußball eigentlich generell nicht allzu hilfreich sind, kann man getrost behaupten, dass Bastian Schweinsteiger diese Situation vor geraumer Zeit noch anders gelöst hätte. Oder eben nicht gelöst. Noch in der letzten Saison hätte er, wenn er überhaupt in die Nähe des Balles gekommen wäre, höchstwahrscheinlich nicht zurückgezogen, sondern entweder Foul gespielt oder sich, mit einem Fuß in der Luft, vom Gegenspieler umdribbeln lassen.

So aber zeigt die Situation zweierlei. Erstens: Bastian Schweinsteiger ist zwar erst 25 Jahre alt, aber mit seinen 203 Bundesligaspielen und 72 Nationalmannschaftseinsätzen (im Übrigen eine bemerkenswerte Relation) ein außergewöhnlich erfahrener Profi. Zugegebenermaßen keine ganz brandneue Erkenntnis, neu ist allerdings, dass Schweinsteiger seine Erfahrung jetzt auch nutzt. Zweitens: Bastian Schweinsteiger ist in der Mitte des Spielfelds hervorragend aufgehoben, weil er über eine außerordentliche taktische Disziplin verfügt und inzwischen genau verstanden hat, was der Taktik-Diktator Louis van Gaal von ihm erwartet. Und wo er zu stehen hat, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes.

Mit einem Mal sind sich plötzlich auch die Kritiker einig, im Fernsehen, in den Printmedien und sogar an den Stammtischen: Der Junge spielt gerade richtig stark. Vor allem spielt er seit seiner Versetzung in die Mitte richtig klug und so ballsicher, dass seine Personalie allein – allerdings nicht seine Person allein – den zu Beginn der Saison defensiv wie offensiv oftmals wackligen FC Bayern zu stabilisieren vermochte. Kein Wunder also, dass schon die ersten fordern, er möge doch auch in der Nationalmannschaft diese Rolle einnehmen. Mit Recht, vor allem, wenn es Simon Rolfes nicht mehr rechtzeitig bis zur WM zurück in Bestform schaffen sollte.

Hätte, wenn und aber

In der Tat hätte ein Duo Schweinsteiger-Ballack in der Zentrale der DFB-Auswahl durchaus seinen Reiz, auch wenn die Gefahr besteht, dass die Mannschaft zu offensiv wird, wenn beide gleichzeitig den Weg in die Offensive suchen. Allerdings haben sowohl Ballack als auch Schweinsteiger längst bewiesen, dass sie ihren Angriffsdrang dem Spiel der Mannschaft unterordnen und nur dann Ausflüge nach vorn unternehmen, wenn es die Situation zulässt.

Dafür hätte Jogi Löw im Gegenzug eine spielstarke Mittelfeldzentrale, die im Spielaufbau kaum einen Ball verliert und immer für eine überraschende Aktion gut ist. Bislang sträubte sich der Bundestrainer gegen diesen Gedanken, sah er doch keine Alternative für Schweinsteiger auf der rechten Seite. Davon kann jetzt aber keine Rede mehr sein, stehen in Toni Kroos und Thomas Müller inzwischen sogar zwei Alternativen bereit, die ebenfalls konstant ihre Leistung bringen. Hätte, wenn und aber: Vielleicht sollte Jogi Löw es einfach mal ausprobieren.


28. Januar 2010 , 14:51 Uhr

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