Zurückgekehrte Prinzen, Zahnschmerzen und viel Sinn für Männerfreundschaften. Auch der 25. Spieltag hatte wieder einiges an Geschichten zu bieten. Welche genau, das erfahrt ihr in der Spieltagszusammenfassung.

Der Hit der Spieltages: Lukas Podolski kann noch Tore schießen (Bild: Imago)
Man braucht Verbündete im Leben. Menschen, die einem das alltägliche Fortkommen erleichtern, da sind, wenn man sie braucht, die einem den Lichtstrahl am Horizont zeigen. Kurzum: Freunde fürs Leben. Dass Hans Jörg Butt und Lukas Podolski eine besonders innige Männerfreundschaft pflegen, war bislang zumindest in der Öffentlichkeit nicht wirklich bekannt. Schweini und Poldi, gut, eine olle Kamelle, weiß ja jeder, das die beiden in der Nationalmannschaft und bei den Bayern gerne zusammen abhängen, doch vielleicht ist es an der Zeit, das Verhältnis Butt-Poldi neu zu beleuchten. Fest steht: Podolski hat wohl selten in seinem Leben eine größere Wohltat erfahren als von Bayerns Torwart beim Spiel am Samstag.
Was der fast 36-jährige Keeper-Veteran bei Podolskis Treffer zum 1:0 veranstaltete, wirkt in der Nachbetrachtung nur konstruktiv, wenn man sich einen Deal unter guten Freunden hinzu denkt. Vielleicht kam es beim Aufwärmen zu einem konspirativen Treffen. „Du, Jörg, ich müsste mal wieder…“ – „Hm, mal sehen, was sich machen lässt…“ Gesagt, getan. Ein Freistoß, den selbst ein Landesliga-Torsteher in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde mit einem milden Lächeln auf den Lippen unter Kontrolle gebracht hätte, brachte Butt in ärgste Bredouille. Der Münchner Schlussmann flog über die Linie wie ein halbseitig gelähmter Kranich, brachte dann noch irgendwie eine Alibifaust an den Ball, ohne jedoch eine Chance zu haben, das Gegentor zu verhindern. Picknickkorb mit Dankeskarte ist unterwegs.
Wiedergeburt des Lieblingsprinzen
Unterm Strich reichte es – vielleicht wegen dieses mehr als unglücklichen Gegentreffers – für die Bayern nicht zu einem Dreier in der Domstadt. Während alle Kölner die späte Wiedergeburt (dauerte rund 1.400 Minuten) ihres Lieblingsprinzen feierten, droht dem Rekordmeister die Tabellenführung bereits nach einem Spieltag wieder zu entgleiten.
Ein Vermerk in der Bundesliga-Anatomiedatenbank
Doch nicht nur in Köln wurde gespielt an diesem kunterbunten Fußballsamstag. Eine Woche nach dem Revierderby, das zu Gunsten von Blauweiß endete, fuhren die beiden Kontrahenten aus dem Pott deutliche Siege ein. Schalke, das jahrelang das Image hatte, wenn überhaupt, dann nicht höher als 1:0 gewinnen zu können, dämpfte etwaige Frankfurter Wunschträume von Europa mit einem deutlichen 4:1. Besonders in Erinnerung bleiben wird der Führungstreffer von Joel Matip, der in der Bundesliga-Anatomiedatenbank unter „linke Schulter“ vermerkt ist. Kein Zweifel: S04 spielt im Titelaspirantentrio nicht unbedingt den Brummbass.
Dr. dent. Großkreutz schlägt zu
Nach zuletzt vier Niederlagen in fünf Spielen (wobei die Schlappe im Spiel der Spiele gegen besagte Schalker wohl an sich wie vier Niederlagen schmerzte) schaffte die Borussia aus Dortmund gegen den nominellen Ableger vom Niederrhein die gelungene Rehabilitation. 3:0 hieß es am Ende gegen desolate Gladbacher, und Kevin Großkreutz, neben Mohamed Zidan auffälligster Schwarzgelber, durfte einen gelungenen Ausklang der Woche feiern, die für ihn nicht nur Kopfzerbrechen wegen der Derbypleite, sondern darüber hinaus auch fiese Zahnschmerzen bereit gehalten hatte, wie er nach dem Spiel zu Protokoll gab. Verknapptes Fazit: Zahn gezogen, Tor geschossen, Kevin happy, Dortmund happy.
Hertha bleibt hartnäckig – Letzter
Nicht so happy ist man derzeit in Berlin, wo die Hertha weiterhin zielstrebig dem Abgrund entgegen taumelt. Auch beim Gastspiel in Hamburg gelang dem hartnäckigen Tabellenletzten trotz teils bester Gelegenheiten kein Tor. Aus absurden Versuchen wie Ramos’ kläglichem Lattentreffer in der zweiten Hälfte aus kurzer Distanz und ohne Torwart gibt es in der Regel nur eine bittere Erkenntnis: Wer solche Tore nicht macht, steigt ab. So weit ist es allerdings dann doch noch nicht, auch wenn 15 Punkte aus 25 Spielen nicht unbedingt das gemütlichste Polster sind und auch wenn der Abstand zum rettenden Ufer nun wieder fünf Zähler beträgt und auch wenn Nürnberg noch punkten kann und auch… lassen wir das.
Cissé macht mit bei Hannovers Slapstick
Hannover immerhin kann noch gewinnen, so lautet die gute Nachricht aus dem Existenzstrudel der Liga. Dabei fiel der Siegtreffer im Breisgau auf typisch hannoveranische Art und Weise – per Eigentor. Freiburgs Cissé nickte einen Bruggink-Freistoß zum 1:2-Endstand in die Maschen und erwies sich der niedersächsischen Domäne, des gelungenen Slapstick, mehr als würdig.
Ein Tor ohne Fringsbums
In Bremen trennten sich Werder und der VfB Stuttgart am Ende 2:2. Zufrieden mit dem Punkt konnte nach dem Spielverlauf nur die Heimmannschaft sein. Eine Halbzeit lang hatten die Schwaben alles richtig gemacht, zwei feine Treffer erzielt und dabei die wackelige Bremer Defensive ausgehebelt, nach der Pause ging dann Werder in die Offensive. Nachdem der reinkarnierte Stuttgarter Torjäger Cacau das 3:0 verpasst hatte, erzielten in der Schlussviertelstunde Almeida und Frings (diesmal nicht per gefürchtetem Fernkracher Marke „Fringsbums“, sondern vom Punkt) die Treffer zum Ausgleich. So bleibt der Abstand zwischen den Tabellennachbarn bei vier Punkten.
Bochum auf Karambolage-Kurs
Schließlich und endlich rollte auch in Wolfsburg der Ball. In der VW-Stadt ging der VfL Bochum zwar in Führung, kam aber in der zweiten Hälfte unter die Räder der Wolfsburger Edelkarossen. Mit dem 1:4 ging für die Bochumer eine schöne Serie zu Ende, die Mitte Dezember begonnen hatte. Der VfL hatte acht Spiele hintereinander nicht verloren und dabei auch Schalke und Leverkusen je ein Unentschieden abgetrotzt. Am meisten gefreut haben dürfte sich Wolfsburgs Joker Obafemi Martins, der kam, sah und traf und nach gut drei Monaten ein gelungenes Comeback feierte.
Sie treffen also wieder die Stürmer, egal ob in Wolfsburg oder in Köln, womit sich dann auch der Kreis schließt zum Torprinzen aus der Domstadt, mit dem an dieser Stelle ja alles begann.
Kommentare
Kommentar abgeben