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Hansa schäumt über

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In Rostock brennt der Baum, Pauli vermisst das Feuer und Ahlen knipst die rote Laterne aus. Der 25. Spieltag in der Rückschau.

Ratlosigkeit in Rostock: Bei der Hansa hält der Abwärtstrend an (Bild: Imago)

Ratlosigkeit in Rostock: Bei der Hansa hält der Abwärtstrend an (Bild: Imago)

Im Keller stinkt’s. Es ist dunkel, kalt und modrig. Keiner will hier freiwillig sein Dasein fristen. Das demonstrierte das Wochenende eindeutig. Besonders das Duell Rostock gegen Ahlen am Freitag. Das Hansa-Publikum forderte in den letzten Minuten des 0:1 gegen das vorherige Dauerschlusslicht aus Ahlen Köpfe – von Mannschaft und Funktionären. »Vorstand raus« und »Außer Walke könnt Ihr alle gehen« schallte es kurz vor dem Abpfiff durch die DKB-Arena. Doch weglassen wollte der Anhang nach dem Schlusspfiff weder Keeper Walke noch dessen Mitspieler. Ein Pulk wütender Fans verbarrikadierte den Spielerparkplatz und probierte, sich Zugang zum Inneren des Stadions zu verschaffen, um Antworten zu erhalten für den erneuten Nackenschlag. Die Ordnungskräfte schoben diesem Vorhaben aber einen Riegel vor. Hinreichend Erklärung für den überschäumenden Unmut an der Ostsee liefern die Fakten des Jahres 2010: Acht Spiele ist Hansa jetzt ohne Sieg, seit 498 Minuten dürsten die Rostocker nach einem Torerfolg.

 

Billard im Ahlener Strafraum

Die Mächte des Fußballs scheinen sich derzeit gegen die Hansa-Kogge verschworen zu haben. In aller Deutlichkeit demonstrierte das die 53. Minute: Der cleverste und zugleich zwingendste Angriff der überlegenen Gastgeber über Retov und Bartels endete mit einem Abschluss von Mario Fillinger aus gut zwei Metern Torentfernung. Doch die Pille knallte an die Unterlatte, dann knapp vor die Linie, von dort nochmal oben drauf auf den Querbalken und wieder ab ins Feld. Der Übermann im Gästetor, Sascha Kirschstein, bereitete dem Treiben vor seinem Kasten mit einem Hechtsprung über Freundes und Feindes Kopf hinweg ein Ende. Unfassbares Pech für die gebeutelten Hanseaten.

Ahlen knipst rote Laterne aus

Da Kirschstein seinem Team auch in der Folge die Haut rettete, zelebrierten die Ahlener ihr erstmaliges Ausknipsen der roten Laterne seit dem 10. Spieltag. Und das auf ganz spezielle Weise: Vor dem vollkommen menschenleeren Gästeblock formierten sie sich Hand in Hand, rissen die Arme hoch und runter. Ein paar gefrustete FC-Fans in den Nachbarblöcken schlossen sich dem Jubel an. Ihre eigene Mannschaft, die nach langem Hin und Her doch nochmal Kehrt machte vor dem Gang in die Kabine, würdigten sie dann keines Blickes mehr, zeigten ihr stattdessen die Rücken. Um die TV-Kameras machten die Hansa-Spieler entsprechend einen großen Bogen, Rede und Antwort stand aber der gescholtene Vorstand Sport, René Rydlewicz, bei Sky: »Wir müssen jetzt die Köpfe oben behalten, denn wenn man aufgibt, dann ist es vorbei.«

Biliskov macht sich unbeliebt

Vorbei ist fürs Erste die Mammut-Heimserie der Düsseldorfer Fortuna. Nach der Begegnung mit Greuther Fürth hätte der neunte Sieg in Folge vor heimischer Kulisse und damit ein Klubrekord stehen können. Doch sie endete torlos. Der Düsseldorfer Anhang schien schon ein mulmiges Gefühl zu haben, bevor der Ball überhaupt zu rollen begann. Bei der Seitenwahl machte sich Fürth-Anführer Marino Biliskov mächtig unbeliebt, als er sich für einen Wechsel entschied. Ein gellendes Pfeifkonzert ertönte, denn die Hausherren mussten unfreiwillig schon vor der Pause in Richtung Südtribüne spielen. Chancen zum Sieg erlebten sie dennoch in beiden Durchgängen, genau wie ihre Gäste. Doch für Freudensprünge auf den Rängen reichte das nicht. Die Trainerkollegen Meier und Büskens indes nickten die Zählerteilung im Talk bei Sky-Moderatorin Jessica Kastrop zufrieden ab. Fürths Büskens, früher langjährig für die 95er am Ball, ging sogar noch einen Schritt weiter: »Es wäre schön, wenn dieser Punkt für die Fortuna reichen würde zum Aufstieg.«

St. Pauli in der Krise?

Der Gedanke an den Aufstieg und der FC St. Pauli – eigentlich sind sie in dieser Saison dicke Freunde, fast unzertrennlich, da passt kein Blatt zwischen. Doch in den letzten Wochen haben sich beide irgendwie auseinander gelebt. Nach dem 1:2 bei den angeknockten Münchner Löwen warten die Kiezkicker seit nunmehr vier Spielen auf den nächsten Sieg. Die derzeitige Übermannschaft aus Augsburg gerät vorne ein bisschen außer Sichtweite, von hinten hecheln Bielefeld, Düsseldorf und Duisburg. Das geht an die Nerven.

Dabei durfte es in der Allianz-Arena doch eigentlich nur einen Sieger geben. Löwen-Fans teilweise ausgeschlossen, Pappas schon nach sieben Minuten mit Rot Richtung Dusche unterwegs – der Grundstein war gelegt. Doch die Gastgeber erstrahlten im Vergleich zur Vorwoche in neuem Glanz. Das lag zum einen an den erstmals vorgeführten grün-goldenen Jubiläumshemden zum 150-jährigen Bestehen, zum anderen an der bissigen Spielweise, die Sechzig an den Tag legte. Dann noch ein Stefan Aigner, der aus zwei Chancen ebenso viele Tore macht, und schon ist die Hammer-Serie gegen die braun-weißen Hamburger ausgebaut: Zum neunten Mal gastierte Pauli bei 1860, zum neunten Mal blieben die Punkte in Bayern.

Augsburg marschiert in Richtung Aufstieg

Auch um die Ecke in Augsburg ließen die bajuwarischen Hausherren den Gast zählerlos wieder nach Hause fahren. Beim vierten Zu-Null-Sieg in Serie hatten die Luhukay-Krieger allerdings eine gute Portion Glück auf ihrer Seite. Hinten durfte Jentsch einen neuen Vereinsrekord mit fast 500 Minuten ohne Ei im Nest einfahren, vorne Rafael zweimal aus nächster Nähe abstauben, einmal sogar aus dem Abseits heraus, ehe da Costa per Fern-Drehschuss zum unverhältnismäßigen Endstand hochschraubte. Auch wenn sein Team am Ende das gelackmeierte war, überzeugte Paderborns Stürmer Frank Löning mit seiner Match-Analyse auf Sky: »Wir sind bestraft worden für unser gutes Spiel…«


08. März 2010 , 10:43 Uhr

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