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Nierenhaken von Sir Alex

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Jetzt ist es also soweit: Fußball ist nicht mehr der harte Sport, der er immer sein wollte. Jetzt flĂŒchten sogar die EnglĂ€nder vor den arktischen Temperaturen daheim in die warme Sonne. Ein Tiefschlag!

Sir Alex Ferguson ist ein harter Knochen. Das wissen nicht nur die Schiedsrichter. (Bild: Imago)

Sir Alex Ferguson ist ein harter Hund. Das wissen nicht nur die Schiedsrichter. (Bild: Imago)

Alex Ferguson ist nicht gerade als das zarteste PflĂ€nzchen des FußballgeschĂ€fts bekannt. Seine Ausraster gegenĂŒber Schiedsrichtern und Trainerkollegen haben in England Kultstatus, legendĂ€r ist auch sein Schuhtritt in der Kabine von Manchester United. Ferguson war einst so sauer ĂŒber das Spiel seiner Mannschaft, dass er vor Wut einen Fußballschuh quer durch die UnkleiderĂ€ume trat, der schlussendlich die Alabasterhaut von Fußball-Schöngeist David Beckham verletzte. Diese Aktion belastete das VerhĂ€ltnis der beiden gegensĂ€tzlichen Persönlichkeiten so nachtrĂ€glich, dass Beckham wenig spĂ€ter in Richtung Madrid wanderte. Ferguson blieb indes Manchester United treu– eben so wie seiner harten Linie. So kommt die Nachricht, dass Manchester United nach heftigen SchneefĂ€llen auf der britischen Insel zu einem Kurztrainingslager ins sonnige Dubai entschwand, gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig nahe an einem Nierenhaken von Mike Tyson heran. 

Wo sind die fehlenden SchneidezÀhne?

Zumindest allen Freunden von kurzen Hosen im Schnee und GrĂ€tschen auf roter Erde wird das dick belegte Wurstbrot beim Lesen jener Neuigkeit gehörig im Halse stecken geblieben sein. Blickte man doch stets sehnsĂŒchtig auf heilige Insel rĂŒber, wo ein kerniger Bodycheck noch mit Szenenapplaus bedacht wird und eine GrĂ€tsche auf Kniehöhe als Kompliment verstanden. Hierzulande wird bei Ă€hnlichen Aktionen gleich ein Bataillon an NotĂ€rzten auf den Platz geschickt, um den Gecheckten und/oder UmgegrĂ€tschten in Watte zu packen. In England bleibt der Arzt sitzen, es wird sich die Hand geschĂŒttelt und weiter gespielt. Man wunderte sich hierzulande nicht mal mehr, als der 1. FC Köln, immerhin knietief im Abstiegskampf steckend, kurzfristig vor dem Schnee in die sonnige TĂŒrkei floh. Abgesehen davon, dass einen bei den DomstĂ€dtern sowieso kaum etwas wundert, rechnet man hier ja schon fast damit, dass sich die Edelkicker der Liga wegducken, wenn es mal ungemĂŒtlich wird. Aber doch nicht in England, dem Land der fehlenden SchneidezĂ€hne, der gegerbten LederhĂ€ute, der Pint-Vernichter.

MĂŒmmeln in Wollsocken

Dort stellt man sich fĂŒr gewöhnlich jeder KneipenschlĂ€gerei so gern wie dem verdammten Winterwetter. Schnee? Pah! Frieren? Nicht wir! Das ist das SelbstverstĂ€ndnis, dass man bei einem britischen Kicker erwartet – vom  Trainer sowieso. So wird in England seit jeher an den oft klirrend kalten Weihnachtstagen gespielt, als könnten die Briten das KĂ€lteempfinden ausschalten wie Chuck Norris. In dieser Zeit mĂŒmmeln sich unsere Spieler unterm Weihnachtsbaum gemĂŒtlich in die Wollsocken.

Doch jetzt ist alles anders. Mit der Sonnenflucht von Manchester United bricht eine neue Fußballepoche an: Die Epoche der Weicheier von der Insel, der Wattefußballer von Britannien. Endlich sind wir wieder auf Augenhöhe mit den ĂŒbermĂ€chtigen EnglĂ€ndern. Doch auf diesen Platz an der Sonne hĂ€tten wir auch verzichten können.


08. Januar 2010 , 16:48 Uhr

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