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Rache im Schneegestöber

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Wachablösung im Norden: Pünktlich zum Jahresende beendet der Hamburger SV sein Bremen-Trauma und überwintert in der Spitzengruppe.

Kollektiver Jubel: Hamburg siegt im verschneiten Nordderby (Bild: Imago)

Kollektiver Jubel: Hamburg siegt im verschneiten Nordderby (Bild: Imago)

Als Joris Mathijsen, Mladen Petric und Co. in die Nordkurve der HSH Nordbank-Arena winkten und das allgegenwärtige “Humba-Tätärä” über sich ergingen ließen, konnte man es in ihren Gesichtern deutlich ablesen. Nach dem ersten Derby-Sieg nach gefühlten 20 Niederlagen gegen Werder Bremen schien der Mannschaft des HSV mehr als nur ein Stein vom Herzen gefallen zu sein. Vermutlich war es sogar ein ganzes Bergwerk, das da auf dem seifigen Rasen der Arena zu Boden sank. Schließlich hatten die Hamburger es so eben geschafft, ihr eigenes Trauma zu besiegen und in gewisser Weise Rache zu üben, für all die Häme, die der Verein nach der desaströsen Derbybilanz der Vorsaison einstecken musste. Die neunzig vorangegangen Minuten hatten die Hamburger fast durchgängig dominiert und sogar nach dem durchaus fragwürdigen Platzverweis gegen Jerome Boateng Mitte der ersten Halbzeit nicht die Ruhe und Ordnung verloren. So leuchtete am Ende ein 2:1 auf der Anzeigetafel, ein Ergebnis, dass im ersten Moment ein knappes Spiel vermuten lässt, im Nachhinein betrachtet aber nicht ganz die Kräfteverhältnisse auf dem Platz wiedergibt.

Kopflose Bremer

Da war auf der einen Seite eine Werder-Mannschaft, die trotz des holprigen, winterlichen Bodens versuchte, das zu tun, was sie am besten kann – schönen Fußball spielen. Dass das nicht ging, merkte die Mannschaft von Thomas Schaaf eigentlich erst ab der 75 Minute, als sie wesentlich einfacher spielte, den HSV beinahe in die eigene Hälfte einschnürte und schließlich immerhin zwei Mal die Latte traf. Das Bremer-Anschlusstor von Naldo kam allerdings viel zu spät, Sekunden später war das Spiel vorbei. Im Anschluss kritisierte Schaaf das Spiel seiner Mannschaft als „kopflos“ und lag damit wie so oft richtig: Zu selten zeigte sich Werder in der Offensive flexibel, rannte vielmehr ungestüm nach vorne ohne wirklich Druck erzeugen zu können.

Elia als Alptraum

Auf der anderen Seite stand der HSV, ohne Respekt vor dem Nordrivalen, der es in der letzten Saison immerhin geschafft hatte, in vier Spielen eine überdurchschnittliche Spielzeit des HSV zur Bedeutungslosigkeit zu verdammen. Das schien alles vergessen: Von Beginn übernahmen die Hamburger die Kontrolle über das Spiel. Allen voran Eljero Elia, der phasenweise alle Positionen gleichzeitig zu spielen schien, bekam Werder zu keiner Phase in den Griff. Der pfeilschnelle Niederländer widerlegte das landläufige Klischee, dass Edeltechniker auf schwierigem Geläuf schnell die Lust am Fußball verlieren und ackerte wie ein Gaul. Offensiv kaum zu bremsen, defensiv immer wieder als Balleroberer: Elia war der Alptraum der Bremer-Spiels.

Hinzu kam, dass Bremens Chefprovokateur Tim Wiese gestern nicht seinen glücklichsten Tag erlebte. Frisch blondiert stürmte die Reizfigur vor dem 2:0 völlig ohne Not aus seinem Gehäuse und erreichte den Ball nicht mehr vor Marcell Jansen, der so sein drittes Saisontor erzielen konnte. Die Hamburger Zuschauer hatten endlich ihre Genugtuung gefunden, nachdem sich Wiese in der letzten Saison mit markigen Sprüchen den Ruf als Hassobjekt Nr. 1 in Hamburg erarbeitet hatte. „Ohne Wiese fahrn wir zur WM“, höhnte es fortan durch das Rund des Hamburger Stadions. Da half es auch nicht, dass Wiese mit einer Sensationsparade kurz vor der Pause seine Spitzenklasse unter Beweis stellte. Der Torhüter kratzte den ein Ball mit einem eingesprungenen Salto von der Linie.

Rache als eiskaltes Gericht

Die Bremer schlichen anschließend mundfaul von dannen und müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, am Ende einer, aus spielerischer Sicht hervorragende Hinrunde einen faden Beigeschmack hinterlassen zu haben, den es sich über die Weihnachtsfeiertage aus dem Kopf zu waschen gilt. Die Hamburger hingegen feierten trotz eisiger Temperaturen mit ihren Fans den Sieg, der deutlich mehr wert wahr als schnöde drei Punkte. Eine ganz Stadt schien im Schneegestöber von Hamburg Rache am ungeliebten Nachbarn geübt zu haben. Wie passend, denn Rache ist nun mal ein Gericht, das man am besten eiskalt serviert.


21. Dezember 2009 , 14:56 Uhr

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