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Schönes, neues Schalke

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Schalkes Trainer Felix Magath und Aufsichtsrat-Chef Clemens Tönnies gehen nach dem sportlichen Erfolg auch medial in die Offensive. Sie fordern eine positivere Berichterstattung über ihren Verein. Dabei ist die mangelnde Lobby der Königsblauen vor allem ein hausgemachtes Problem.

Magath (l.) und Tönnies (r.) wollen Schalke ein neues Image basteln (Bild: Imago)

Chefsache: Magath (l.) und Tönnies (r.) wollen Schalke ein neues Image basteln (Bild: Imago)

Seit jeher gilt Gelsenkirchen als Eldorado für Journalisten. Doch nicht etwa, weil die Stadt ein Geheimtipp für Promis ist. Sie ist er das Gegenteil. Auch nicht, weil hier jeder Medienschaffende hofiert wird wie ein neureicher Ölscheich. Nein, Gelsenkirchen ist ein raues Pflaster. Die Menschen, stets ehrlich und mit lautem Mundwerk, sind misstrauisch gegenüber Reportern. Denn meist verheißt ein übermäßigen Medienauflauf nichts Gutes für das große Aushängeschild der Stadt – den FC Schalke 04.

Zu oft geiferten die Berichterstatter nach Paradiesvögeln wie Ailton, klettern in die Vorgärten brasilianischer Verteidiger (hier seht ihr Rafinha als Spießbürger) oder starteten Lauschangriffe in der Kabine. Denn seitdem der Ball in Gelsenkirchen rollt, weiß jeder: Auf Schalke, da ist immer was los. Der Verein scheint niemals still zu stehen und was man so hörte, las und sah, war in den letzten Jahren oftmals der Ausdruck von Chaos, Misswirtschaft und Größenwahn. Schalke stand im imaginären Wörterbuch der meisten oft sehr nah bei den Begriffen »Schulden«, »Trainerentlassung« und »große Klappe«.

Von Trainerentlassung bis Millionenschulden 

Und ganz falsch lag man damit nicht, denn in der jüngeren Vergangenheit häuften sich die Negativschlagzeilen so beträchtlich, dass man durchaus, das ein oder andere marode Ruhrpott-Bergwerk damit hätte konsolidieren können. Beispiele gefällig? Mirko Slomkas Rauswurf nachdem Präsident Schnusenberg öffentlich einen Weltmann als Trainer forderte, war der Höhepunkt einer öffentlicher Schlammschlacht zwischen Trainer und Vorstand. Nur zur Erinnerung: Schalke stand zu diesem Zeitpunkt im Viertelfinale der Champions League, in der Liga auf Platz Drei. Dann kam, hüstel, der Weltmann Fred Rutten. Nicht zu vergessen ist auch die „Ära“ des Managers Andreas Müller, der reihenweise überteuerte Spieler einkaufte und sie mit fürstlichen Verträgen ausstattete (Streit, Zé Roberto II, Großmüller), die schon auf den ersten Blick keine Verstärkung waren und sich auf den zweiten sogar als Fehleinkauf entpuppten.

Bitter in Zeiten, in denen fast wöchentlich neue Horrormeldungen über den miserablen Finanzhaushalt des Vereins an die Öffentlichkeit gelangten. Und mitten drin tummelten sich natürlich alte Vereinsrecken vom Schlage Rudi Aussauers, die alles besser wussten und sich nicht scheuten, ihre Meinung ungefiltert in die Welt zu posaunen. Dass konnte die Vereinsführung selten nicht auf sich sitzen lassen und konterte prompt zurück. Ein medialer Super-GAU für den Verein, ein Eldorado für Journalisten. Man klatschte in die Hände, weil man wieder Recht behalten hatte: Auf Schalke, da ist immer was los. Mit denen kann man alles machen.

Magath platzt die Hutschnur

Bis zum vergangenen Wochenende als Trainer Felix Magath nach dem Derby-Sieg gegen Dortmund vor laufender Kamera die Hutschnur platzte. Nachdem er die zehnte Zeitlupe eine Schalker Foulspiels kommentieren sollte, hatte der Trainer genug: Viel zu negativ werde über den Verein berichtet, das ließe er sich nicht mehr gefallen. Magath schnaubte und stürmte aus dem Studio. Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende der Schalker, sprang ihm sofort zur Seite und forderte öffentlich mehr Respekt und Lobby für den FC Schalke ein.

Da hatte er wohl vergessen, dass auch er einen gehörigen Anteil am jüngeren Negativimage der Königsblauen hat. Er stand schließlich als Verantwortlicher mittendrin im Chaos um Finanzen, feiernde Profis und entlassene Trainer, war nie müde den Kameras ein knackiges Statement zu präsentieren, das Stunden später wahre Presselawinen über Gelsenkirchen brachte.

Nun wollen Magath und Tönnies also das Image des Ruhrgebietsvereins aufpolieren, Werbung in eigener Sache machen und so einen neuen FC Schalke aufbauen. Die Fans wird es freuen, die Spieler sowieso, nur die Journalisten müssen sich dann wohl ein neues Eldorado suchen. Irgendwie schade, aber warten wir mal ab.


02. März 2010 , 14:47 Uhr

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