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Spagat im Urlaubsland

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Der HSV trifft heute Abend im Auswärtspiel der Europa League auf Hapoel Tel Aviv. Obwohl für beide Mannschaften der Einzug in die nächste Runde bereits feststeht, muss der HSV mit einigen Sonderaufgaben zurecht kommen.

 

Immer schön strecken: David Jarolim weiß worauf es derzeit beim HSV ankommt (Bild: Imago)

Immer schön strecken: David Jarolim weiß worauf es derzeit beim HSV ankommt (Bild: Imago)

Israel ist abseits der politischen Unwägbarkeiten ein durchaus akzeptables Urlaubsland. Immerhin scheint dort durchschnittlich zehn von zwölf Monaten die Sonne, historische Städte bieten einen faszinierenden Einblick in ein Stück Weltgeschichte. Leider bleibt den Spielern des Hamburger SV wenig Zeit für eine ausgedehnte Sightseeing-Tour, denn für die Hamburger ist der Ausflug nach Tel Aviv eher ein Pflicht- als eine Lustreise. Wie humorlos heutige Fußballprofis ihren wilden Ritt durch Europas Fußballmetropolen mittlerweile sehen, bringt HSV-Verteidiger Jerome Boateng auf den Punk: „Bald ist ja Winterpause. Wer also möchte, kann noch einmal herreisen und sich alles ansehen.“ Fraglich, ob irgend ein HSV-Spieler diesen Urlaubstipp Boatengs befolgen wird. Erst einmal gilt es sich also auf das Wesentliche zu konzentrieren, immerhin steht heute Abend das letzte Vorrundenspiel der Europa League auf dem Programm. Der Gegner ist Hapoel Tel Aviv. Grund genug für die HSV-Spieler den Rhythmus Hotel-Trainingsplatz-Hotel nicht durch einen Stadtspaziergang zu unterbrechen.

 

 

Noch keine europäischen Spitzenmannschaft

Der Einzug in die nächste Runde steht für beide Mannschaften bereits fest, es geht lediglich noch um die Reihenfolge beim Zieleinlauf. Der HSV will dabei unbedingt seine Spitzenposition verteidigen, immerhin geht es auch um eine gute Ausgangsposition für die Zwischenrunde, in der die gescheiterten Spitzenclubs aus der Champions League in der Wettbewerb eingreifen. Liverpool, Juventus, Marseille – die Namen der zu erwartenden Gegner sind mindestens so groß wie die Vorfreude der Hamburger, die sich damit wohl insgeheim endlich unter ihresgleichen wähnen.

Doch vom Format einer europäischen Spitzenmannschaft sind die Hamburger derzeit dann doch eher so weit entfernt wie von einer innigen Freundschaft mit Werder Bremen. Zu sehr offenbarten sich zuletz die Probleme der Hanseaten, als die offensiven Taktgeber Elija und Petric zum zugucken verdammt waren. Zwar gaben beide mittlerweile ihr erfolgreiches Comeback und prompt fand auch der HSV zurück in die Erfolgsspur, heute Abend wird Trainer Labbadia die beiden aber wohl schonen.

Streckübung und Ablenkungen

Es ist also ein beachtlicher Spagat, den die Hamburger heute Abend in Tel Aviv zu bewältigen haben. Einerseits gilt es Kraft und Ideen für das anstehenden Nordderby gegen den Rivalen Werder Bremen zu schonen (ab Sonntag 15.00 Uhr im 11FREUNDE-Liveticker), schließlich gibt es da noch die ein oder andere offene Rechnung aus dem ablaufenden Kalenderjahr zu begleichen. Andererseits weist HSV-Spieler Marcell Jansen auf eine Gefahr hin, die bei der Schonung der Top-Angreifer bedacht werden muss: „Wir wollen eigentlich in unserem Rhythmus bleiben“, sagt der Linksfuß, dessen Formkurve in den letzten Wochen steil nach oben zeigt. Nicht zu vergessen ist auch die seit Monaten andauernde Suche nach einem Nachfolger von Dietmar Beiersdorfer für den Posten des Sportchefs an der Elbe. Diese Diskussion dürfte die Spieler zwar nur nebensächlich interessieren, dennoch sorgt nicht zuletzt der Name Horst Heldt für einigen Wirbel beim HSV.

Bei all diesen Ablenkungen sollte der HSV allerdings den heutigen Gegner Hapoel Tel Aviv nicht unterschätzen. Schließlich ist der Tabellenzweite der israelischen Liga eine der Überraschungen im laufenden Wettbewerb. Immerhin ließ die Mannschaft von Trainer Eli Guttman Celtic Glasgow und Rapid Wien hinter sich. Diese Namen haben zwar in den letzten Jahren beträchtlich an Glanz verloren, aber dennoch hatte vor Monaten kaum jemand den israelischen Vertreter auf dem Zettel. Hapoel bedeutet übersetzt Arbeiter und so ist es doch eine Art Treppenwitz, dass sich die Mannschaft aus Israel mittlerweile in die Speerspitze des europäischen Fußballs vorgearbeitet hat

Man darf also gespannt sein, wie sich der HSV heute Abend gegen Hapoel schlagen wird. Weite Teile der heutigen Vorbereitung im Hotel zu verbringen, stellt sich mittlerweile als gute Idee heraus. Statt strahlendem Sonnenschein wird für heute Abend starker Regen angekündigt.


17. Dezember 2009 , 14:41 Uhr

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